Wie erkennt man eine Militärherrschaft?

Das Militär gehört heute im Grunde genommen zu jedem Staat dazu. Auch Deutschland besitzt eine Vielzahl von Militäreinheiten, doch diese üben keine Herrschaft aus. Aber was ist in den Staaten, in denen eine Militärherrschaft gegeben ist? Unter welchen Aspekten wird dort regiert und wie erkennt man eine Militärherrschaft? Die Militärherrschaft ist heute nur noch in wenigen Ländern der Erde zu beobachten. In einer solchen wird die Herrschaft direkt vom Militär ausgeübt. Eine andere Bezeichnung ist Stratokratie. Auf die Militärherrschaft trifft man vereinzelt in Afrika und Asien. Eine wirkliche Militärherrschaft ist in der heutigen Zeit äußerst selten. Bei politischen Unruhen und Absetzung der ehemaligen Regierung wird oft eine vorübergehende Militärherrschaft eingeführt, um die Ruhe im betroffenen Land zu bewahren.

Beschützende Form

In der Regel greift die Militärherrschaft auf eine bürgerliche Regierung zurück. Diese zivile Regierung ist allerdings nur mit eingeschränkten Machtbefugnissen ausgestattet. Der Machtinhaber ist nach wie vor das Militär. Zivile Regierungen unterliegen in einer Militärherrschaft der totalen Kontrolle des Militärs. Die Militärherrschaft wird in drei Stufen eingeteilt. Von der mäßigenden, beschwichtigenden Form spricht man, dürfen Zivilisten weiterhin politische Ämter innehaben. In die Wirtschaft wird nicht eingegriffen. Das Militär hat in der Politik ein Vetorecht. Zivile Amtsinhaber sind zumeist der Militärherrschaft wohlgesinnt. Angehörige des Militärs werden politisch nicht aktiv. Bei der beschützenden Form liegt die Zielsetzung der Militärherrschaft hauptsächlich in der Kontrolle der Regierung. Damit soll die Stabilität des Staates wieder hergestellt werden. Wirtschaftlich kommt es bei der beschützenden Form der Militärherrschaft oft zu Neuerungen und Veränderungen, auf die Medien und öffentliche Organisationen wird kein Einfluss genommen.

Herrschende Form

Die dritte Form ist die beherrschende Form. Das ist die Art der Militärherrschaft, die den größten Einfluss nimmt. Die Herrschaft wird durch ein Militärregime ausgeübt, welches auf alle Belange Zugriff hat. Das öffentliche Leben wird total kontrolliert, die Gesellschaft des Landes wird grundlegend verändert. Dabei werden auch Verstöße gegen die Grundrechte in Kauf genommen. Die Bürokratie wird vom Militärregime nach dessen Vorstellung eingeführt, die Medien unterliegen der Abhängigkeit vom Regime. Unabhängigkeit in allen Varianten ist bei der beherrschenden Form grundsätzlich verboten. In der Gegenwart gibt es eine Handvoll Staaten, in denen die Militärherrschaft die Regierungsform ist. Im Sudan gibt es seit 1989 die Militärherrschaft unter Umar Hasan Ahmad al-Baschir. Das ehemalige Birma, heute Myanmar, wird seit 1962 vom Militär regiert. Auch in Pakistan findet man eine Militärherrschaft.

Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit wurde Deutschland für einen bestimmten Zeitraum unter eine Militärherrschaft gestellt. Die Siegermächte stellten jeweils einen Militärgouverneur für ihre Besatzungszone. Die Militärherrschaft in Deutschland dauerte bis zum 21. September 1949. Dann wurde die westalliierte Militärregierung aufgelöst. Während der Militärherrschaft wurden bei der Gipfelkonferenz in Potsdam gemeinsame Richtlinien für die Politik geschaffen. Die Schwerpunkte lagen auf der Errichtung einer neuen politischen Ordnung in Deutschland, auf der Abrüstung und der Entnazifizierung. Ferner stand die Türkei bis 1989 unter einer Militärherrschaft. Diese ging auf Kemal Atatürk zurück. Er nahm eine radikale Umgestaltung der Türkei bei seiner Machtergreifung vor. Das Militär ist in der Türkei auch heute noch sehr dominant und hat auf die Politik des Landes großen Einfluss. Seit Einführung der EU-Reformen jedoch wird die Dominanz des Militärs mehr und mehr zurückgeschraubt.

Foto: Alexey Klementiev – Fotolia.comSimilar Posts: