Was ist eine Theokratie?

Aachener DomDie Theokratie leitet sich aus den griechischen Worten Theos für Gott und kratia für Herrschaft ab. Übersetzt heißt Theokratie also die Herrschaft Gottes. Die Theokratie ist eine Herrschaftsform, der die Staatsgewalt religiösen Ursprungs ist. Das Oberhaupt ist von Gott berufen. Es kann sich daher um einen Priester, einen von Gott begnadeten König oder einem von Gott berufenen Propheten handeln. Ferner kann es sich um eine sakrale Institution handeln, die in der Theokratie die Macht ausübt.

Gottesherrschaft

Da der Glauben und Gott in der Geschichte der Menschheit eine sehr große Rolle spielen, gibt es eine Reihe von Theokratien in der Vergangenheit. Das Alten Ägypten und das Antike Griechenland sind typische Vertreter einer historischen Theokratie. In der Gegenwart findet man die Theokratie im Vatikanstaat. Die Zwölf Stämme Israels traten mehr als 200 Jahre lang als Theokratie auf. Sie bezeichneten sich selbst als von Gott gelenkt und traten als einheitliche Größe in Kriegen auf. Sie sind die bekanntesten Vertreter der Theokratie in der vorstaatlichen Zeit. Bei den Zwölf Stämmen Israels mangelte es völlig an Organen der Verwaltung, eine einheitliche Organisation des Lebens bestand nicht. Vielmehr war jeder Bürger aufgefordert, für sich selbst zu sorgen. Angriffe von anderen Stämmen wurde als Maßnahme von Gott angesehen.

Römisches Kaiserreich

An die Theokratie angelehnt war auch das Römische Kaiserreich. Die römischen Kaiser ließen sich als Götter verehren. Der göttliche Kaiserkult endete mit dem Machtantritt des Kaisers Konstantin I. Er war der erste christliche Kaiser der Geschichte und stattete die Kirche mit politischen Privilegien aus. Dadurch wurde die Ausbreitung des Christentums möglich. Die Theokratie ist uns bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, wenn gleich auch nicht mehr mit einem solchen Einfluss, wie es zu den Lebzeiten der Kaiser der Fall war. Der Iran bezeichnet sich selbst als Gottesstaat. Er wurde 1979 gegründet. Der Iran erhebt zwar den Anspruch einer Theokratie, dennoch sind Elemente einer Demokratie zu finden. Der Vatikanstaat ist aufgrund seiner Merkmale eine Theokratie. Hier wird die Herrschaft durch den Pabst ausgeübt. Außerdem ist der Vatikanstaat die letzte absolute Monarchie in Europa. Dieser Staat wurde 1929 gegründet. In Anlehnung an die modernen Rechtsstaaten gibt es im Vatikanstaat ebenfalls ein Grundgesetz. Der Vatikanstaat selbst bezeichnet sich nicht als Theokratie. Er sieht die Herrschaft des Papstes allein darin begründet, dass dieser sich für die Freiheit der Kirche einsetze und für diese Aufgabe eine Basis benötige.

Erstebenswert?

Viele Glaubensgemeinschaften sehen die Theokratie als erstrebenswerte Herrschaftsform und erwarten diese sogar in der Zukunft. Die Christen etwa sehen ab dem Tag des Jüngsten Gerichtes Jesus Christus als einen König Gottes herrschen. Für die Zeugen Jehovas ist auf der gereinigten Erde eine Theokratie zu erwarten. Der Theokratismus ist eine politische Religion. Für die Theokraten soll Gottes Reich auf Erden errichtet werden und sie wollen aktiv daran mitwirken. Die westlichen Staaten trennen dagegen Politik und Religion sehr streng. Eine Theokratie ist deshalb mehr als unwahrscheinlich. Das war allerdings in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Zudem sind kleine Gruppen zu beobachten, die sich der Theokratie verschrieben haben. Als Beispiel sei hier die Gemeinschaft der Quäker zu nennen, die eine sehr ausgeprägte Theokratie lebten.

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